Im Oktober 2019 – bevor die Corona-Pandemie reisen unmöglich machte – waren wir wieder einmal im Norden Ugandas und haben die Farmer-Kooperative Gulu Agricultural Development Company (GADC) besucht, zu der wir seit 2017 Kontakt haben. Ihre Mitglieder bauen Biobaumwolle an, die in einigen Produkten von KAYA&KATO verarbeitet wird. Auch ist die GADC der Ausgangspunkt unseres Projektes „Textile Trust“, mit dem wir die textile Lieferkette von Uganda bis Deutschland über alle Verarbeitungsstufen im letzten Jahr via Blockchain Technologie abgebildet haben.

Gulu liegt im Norden Ugandas, der Grenzregion zum Südsudan, die seit langem Ziel von Flüchtlingen ist, die vor den Auseinandersetzungen im Nachbarland fliehen. Seitdem im Dezember 2013 ein Bürgerkrieg im Südsudan ausgebrochen ist, flüchteten mehr als 1,4 Millionen Südsudanesinnen und Südsudanesen nach Uganda. Das Land erfährt damit den größten Flüchtlingszustrom in seiner Geschichte. Da die einheimische Bevölkerung ohnehin schon unter ärmlichen Verhältnissen lebt, birgt die zusätzliche Belastung der Gastgemeinden Konfliktpotential, das eine Region destabilisieren kann, die nicht zuletzt auch durch Projekte wie die GADC gerade erst zu Stabilität und bescheidenem wirtschaftlichen Aufschwung gefunden hat.

Gemeinsam mit Vertretern der Caritas Gulu und Caritas International waren wir in Flüchtlingsprojekten in Adjumani und Palabek ca. 30 Kilometer von der südsudanesischen Grenze entfernt. Die Flüchtlingsfamilien leben zusammen mit aufnehmenden Gastgemeinschaften. Sie teilen sich dort Gesundheits- und Bildungseinrichtungen und bekommen kleine Landparzellen zugewiesen, die sie bewirtschaften. In Adjumani koordiniert die Caritas Gulu in Abstimmung mit dem UNHCR und mit Unterstützung von Caritas International die Hilfen für rund 5.000 Flüchtlinge und bedürftige Einheimische.

Wir trafen auf unserer Reise auch den 37-jährigen Angelo Matang, der 2014 mit seiner Familie aus dem Südsudan nach Adjumani flüchtete und sich mit viel Fleiß durch den Anbau von Obst und Gemüse weitgehend unabhängig machen konnte. Diese kleine und dennoch große Erfolgsgeschichte hat uns davon überzeugt, dass wir etwas dazu beitragen wollen, damit diese Geschichte weitergeschrieben werden kann. Angelo Matang kann mit seinen Ernteerträgen nicht nur seine Familie ernähren und die Schulkosten für die Kinder zahlen, sondern hat mit anderen Flüchtlingen die „Mungola Vegetable Grower Association“, einen Gemüseanbauverein, gegründet. Als Kooperative wirtschaften die Mitglieder effektiver und geben das erlernte Wissen und die Erfahrungen an Dritte weiter. Gemeinsam mit Eurer Unterstützung konnte KAYA&KATO nun einen finanziellen Beitrag zur Anschaffung eines Tricycles leisten. Damit kann der Gemüseanbauverein den Überschuss an angebautem Obst und Gemüse auf den nächst gelegenen Markt bringen und verkaufen. Ein weiterer Schritt auf dem Weg in ein stabiles selbstbestimmtes Leben. 

 

Fotocredit: Esther Mbabazi, Caritas