„Zurück nach vorn: Wie aus Burn-out neue Weg entstehen“ das Buch des KAYA&KATO Gründers Stefan Rennicke.
„Zurück nach vorn: Wie aus Burn-out neue Weg entstehen “ ist das Buch des KAYA&KATO Gründers Stefan Rennicke. Er beschreibt seine persönlichen Erfahrungen mit dem Aufbau des Unternehmens bis hin zum Burn-out, der zu einem mehrwöchigen Klinikaufenthalt führte. Reflektiert und ungeschönt zeigt er die biografischen Ursprünge, die Entstehung der Krankheit und seinen Weg zurück in das von ihm gegründete Unternehmen.
„Zurück nach vorn: Wie aus Burn-out neue Wege entstehen“ erscheint am 22.10. 2026 im Campus Verlag und kann vorbestellt werden.
INTERVIEW MIT STEFAN RENNICKE
Deine persönliche Geschichte und die Entwicklung von KAYA&KATO sind eng miteinander verbunden. Inwiefern ist Zurück nach vorn auch die Geschichte deines Unternehmens?
Die Entstehung von KAYA&KATO macht einen großen Teil des Buchs aus. Der Aufbau des Unternehmens, zu sehen, wie die eigenen Produkte entstehen und von unseren Kunden getragen werden, ist die eine, großartige Seite. Die andere Seite war die nicht vorhersehbaren Krisen wie Covid und die damit verbundene Schließung all unserer Kunden, der Ukrainekrieg mit der enormen Verteuerung der Rohstoffe und Transporte etc. sowie sehr ernüchternde Momente wie mein erster Kontakt mit Industriewäschereien, bei dem mir der Besitzer kurz und bündig sagte: „Eure Nachhaltigkeit ist mir scheißegal“, und das Meeting verließ. All das kam zu den „normalen“ großen Herausforderungen, die der Aufbau eines Start-ups mit sich bringt, noch hinzu und führte zu einer Stressdauerbelastung, wie sie im Buch beschrieben wird. Allerdings zeigt mein Buch auch, dass vieles für den späteren Burn-out seit Langem in mir veranlagt war. Es beleuchtet ausführlich die biografischen Ursprünge für Burn-out. In der Wissenschaft geht man davon aus, dass ca. ein Drittel der Burn-out-Erkrankungen biographischen Ursprungs sind.
Du verbindest in Zurück nach vorn deine persönlichen Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Warum war dir diese Verbindung wichtig?
Ich glaube, dass es eine notwendige Kombination ist, um zu verstehen, was einem passiert ist und wie man sich davor schützen kann. Ich wollte begreifen, warum die Psyche an einen Punkt absoluter Überforderung kommen kann. Prof. Michael Gielnik hat mir dabei geholfen, Dinge einzuordnen und zu verstehen. Er ist einer der renommiertesten Arbeitspsychologen und Entrepreneurship-Forscher. Ich kenne ihn schon lange und habe häufig mit ihm zusammengearbeitet. Vieles habe ich dadurch im Nachhinein verstanden. Ein gutes Beispiel dafür ist das sogenannte Recovery Paradox. Es beschreibt, wie hoher Arbeitsstress und zu große Erschöpfung dafür sorgen, dass man nicht mehr die Energie für Erholung hat, die man in dieser Phase dringend bräuchte. In meinem Buch beschreibe ich, wie ich in diese Falle getappt bin und nicht mehr herausgefunden habe. Mit meinem jetzigen Wissen kann ich dagegenhalten.
Für dein Buch hast du auch mit Menschen gesprochen, die für ihre herausragenden Leistungen extreme mentale Belastungen meistern müssen. Dazu zählen die Freitaucherin und Weltrekordhalterin Jennifer Wendland, der Big-Wave-Surfer Freddy Olander, der Extremsportler Jonas Deichmann, der Berliner Sternekoch Micha Schäfer, der Künstler Jeppe Hein und der Schweizer Unternehmer, Hochschullehrer und Investor Max Meister.
Ich bin und war immer fest davon überzeugt, dass man von Menschen lernen sollte, die es besser machen. Alle Personen, mit denen ich gesprochen habe, leisten in ihren Bereichen Außergewöhnliches: Apnoetauchen, Big-Wave-Surfen, Extremsport, Sterne-Küche, Kunst oder als Unternehmer. Sie haben klare Vorstellungen, wie man für Hochleistung trainiert, dass man Erholung braucht, dass man Grenzen setzt und dass man im besten Fall die Kontrolle behalten muss. Davon kann man und muss man lernen. In meinem Buch beschreibe ich, wie mein der Kontrollverlust über das, was beim Aufbau von KAYA&KATO passierte, fast das Schlimmste war. Die Wissenschaft zeigt, dass Kontrollverlust einen Zustand von Dauerstress verursachen kann, der ein sicherer Weg in den Burn-out ist.
Viele Marken erzählen von Wachstum, Erfolg und Purpose. Du sprichst dagegen offen über Erschöpfung, Unsicherheit und Druck. Warum hältst Du diese Ehrlichkeit heute für wichtig?
Ich halte es vor allem im Bereich der Start-ups für wichtig, darüber zu sprechen. 2025 wurden Founder:innen in Deutschland nach ihrem Stressempfinden befragt, und fast 85 Prozent gaben an, dass sie Burn-out-Symptome haben. Für mein Buch habe ich mit dem Schweizer Max Meister gesprochen, der Start-ups gegründet hat und jetzt Mitinhaber der Venture-Capital-Gesellschaft KOYO Capital ist. Er vertritt den Standpunkt, dass mentale Gesundheit als Teil professioneller Unternehmensführung verstanden werden muss und nicht als privates Randthema. Und er hat recht. Die wenigsten Gründer:innen haben auch nur ansatzweise eine Ahnung, was auf sie zukommt, und noch weniger haben ein System, wie sie mit dauerhafter Belastung umgehen. Mein Buch zeigt, welche Symptome Alarmsignale sind, wie man in einen Sog aus Dauerstress geraten kann, wie man beginnt, Stress auf gefährliche Art zu kompensieren - erfolglos natürlich - und was man tun sollte, um zu verhindern, dass man letztlich in eine Klinik muss. Denn das sollte man unter allen Umständen vermeiden.
In deinem Buch beschreibst du, wie eng unternehmerischer Erfolg und persönliche Identität oft miteinander verwoben sind. Warum ist das gerade für Gründerinnen und Gründer gefährlich?
Es gab für mich keine Trennung mehr zwischen KAYA&KATO und einem Privatleben, das Erholung und Regeneration gegeben hätte. Die starke Identifikation eines Gründers mit seinem Unternehmen ist bis zu einem gewissen Grad gut und richtig. Wenn man keine Leidenschaft für sein Unternehmen hat, sollte man keins gründen. Das Buch beschreibt aber, wie es bei mir zur Obsession wurde. Jetzt habe ich den Abstand gefunden, der dafür sorgt, dass ich Pausen mache und von Zeit zu Zeit abschalte, was Kraft und Energie gibt, um gute Arbeit zu leisten und Spaß an der Sache zu behalten. In diesem Zusammenhang habe ich viel aus der Wissenschaft und von Hochleistern in meinen Alltag übertragen. Ich werde nicht mehr in das Recovery Paradox tappen, und ich zerlege meine Ziele in Sprints. Und jage nicht einem amorphen Marathonziel nach. Das habe ich von Jonas Deichmann übernommen, der mir sagte, dass nachhaltige Leistung erst möglich ist, wenn er eine lange Herausforderung in kurze Sprints zerlegt. Hohe Intensität und danach konsequente Erholung.
„Zurück nach vorn: Wie aus Burn-out neue Wege entstehen“ erscheint am 22.10.2026 im Campus Verlag und kann bereits vorbestellt werden:
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